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Anzeige und Strafantrag in Italien stellen

von Massimo Romano, StrafverteidigerKammer Neapel Nr. 14553 · Kassationsgerichtshof seit 20156 Min. Lesezeitaktualisiert 2026-08-07
Formular auf einem Tresen
Kurze Antwort

Bei vielen Delikten wird nur verfolgt, wenn der Verletzte es verlangt — und dieses Verlangen ist an Form und Frist gebunden. Wer nur den Sachverhalt schildert, ohne die Verfolgung zu beantragen, hat unter Umständen nichts erreicht. Umgekehrt hat eine bewusst unbegründete Anzeige eigene, erhebliche Folgen für den, der sie erstattet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei antragsabhängigen Delikten muss die Verfolgung ausdrücklich verlangt werden.
  • Die allgemeine Frist beträgt drei Monate ab Kenntnis der Tat.
  • Bei Sexualdelikten beträgt sie zwölf Monate und der Antrag ist unwiderruflich.
  • Nach der Reform von 2022 sind mehr Delikte antragsabhängig als früher.
  • Der Antrag kann bei Polizei, Carabinieri oder Staatsanwaltschaft eingereicht werden.
  • Er kann in vielen Fällen zurückgenommen werden, mit Zustimmung des Beschuldigten.
  • Eine bewusst unbegründete Anzeige kann den Vorwurf der falschen Verdächtigung begründen.

Anzeige oder Antrag

Die beiden Formen und ihre Wirkung
FormWirkung
AnzeigeMitteilung eines Sachverhalts, ohne dass Verfolgung verlangt wird
Strafantragausdrückliches Verlangen der Verfolgung, bei antragsabhängigen Delikten erforderlich
Von Amts wegen verfolgte DelikteAnzeige genügt, der Antrag ist entbehrlich

Der Unterschied wird von Betroffenen regelmäßig übersehen, weil beide Erklärungen bei derselben Stelle abgegeben werden und ähnlich aussehen. Bei einem antragsabhängigen Delikt entscheidet er aber darüber, ob überhaupt verfolgt wird.

Die praktische Regel lautet deshalb: wer verfolgt wissen will, sollte das ausdrücklich erklären und im Protokoll vermerken lassen, statt sich auf die Einordnung durch die aufnehmende Stelle zu verlassen.

Die Fristen

Drei Monate ab dem Tag, an dem der Verletzte von der Tat Kenntnis erlangt hat — das ist die allgemeine Regel. Bei Sexualdelikten sind es zwölf Monate, und dort ist der Antrag unwiderruflich.

Bedeutsam ist eine Änderung der jüngeren Zeit: nach der Reform von 2022 hängen mehr Delikte vom Antrag ab als früher, darunter mehrere Vermögens- und Körperverletzungsdelikte. Sachverhalte, bei denen früher von Amts wegen ermittelt wurde, verlangen heute ein Verlangen des Verletzten.

Für Geschädigte aus dem Ausland ist das die häufigste Ursache, aus der ein Vorfall folgenlos bleibt: sie gehen davon aus, dass die Polizei ohnehin tätig wird, und erfahren Monate später, dass die Frist verstrichen ist.

Wie und wo

  1. Bei Polizei, Carabinieri oder Staatsanwaltschaft, mündlich zu Protokoll oder schriftlich.
  2. Mit einer Kopie für sich selbst, auf der Eingang und Aktenzeichen vermerkt sind.
  3. Mit der ausdrücklichen Bitte um Unterrichtung über den Verfahrensgang, insbesondere über einen Antrag auf Einstellung.
  4. Mit Benennung einer Zustellungsanschrift, wenn man im Ausland wohnt.
  5. Mit Beifügung der Belege, die vorhanden sind: Befunde, Fotos, Rechnungen, Zeugenkontakte.

Der dritte Punkt ist der wichtigste und wird fast immer vergessen. Ohne dieses Verlangen erfährt der Verletzte nichts von einer Einstellung — und die kurze Frist für den Widerspruch verstreicht, bevor er davon weiß.

Die Rücknahme

Bei den meisten antragsabhängigen Delikten ist sie möglich und beendet das Verfahren. Sie setzt in der Regel die Annahme durch den Beschuldigten voraus — er kann sie ablehnen, wenn er einen Freispruch anstrebt.

Für Vergleichsgespräche ist das der zentrale Punkt: eine Einigung kann so gestaltet werden, dass die Rücknahme Teil davon ist. Bei Sexualdelikten und bei einigen anderen Tatbeständen ist das ausgeschlossen; dort ist der Antrag unwiderruflich.

Das Risiko einer unbegründeten Anzeige

Es ist real und wird unterschätzt. Wer jemanden wider besseres Wissen einer Straftat bezichtigt, begeht selbst eine Straftat mit erheblichem Rahmen. Erfasst ist auch, wer Spuren legt oder erfindet.

Das bedeutet nicht, dass eine Anzeige unterbleiben soll, wenn man sich nicht sicher ist — der Vorwurf setzt Wissen um die Unrichtigkeit voraus. Es bedeutet, dass eine Anzeige, die aus Ärger oder als Druckmittel in einer Auseinandersetzung erstattet wird, gefährlich ist.

Für Auseinandersetzungen, in denen beide Seiten Anzeige erstatten — nach einer Schlägerei, nach einer Trennung, nach einem Streit unter Nachbarn — gilt deshalb: die eigene Anzeige sollte sich auf das beschränken, was belegbar ist, und sie sollte über einen Anwalt formuliert werden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Anzeige und Strafantrag?

Die Anzeige teilt einen Sachverhalt mit, der Strafantrag verlangt ausdrücklich die Verfolgung. Bei antragsabhängigen Delikten wird ohne dieses Verlangen nicht verfolgt.

Wie lange habe ich Zeit?

Grundsätzlich drei Monate ab Kenntnis der Tat. Bei Sexualdelikten zwölf Monate, und dort ist der Antrag unwiderruflich.

Was hat sich 2022 geändert?

Mehr Delikte hängen seither vom Strafantrag ab, darunter mehrere Vermögens- und Körperverletzungsdelikte. Wer davon ausgeht, dass ohnehin ermittelt wird, verliert die Frist.

Erfahre ich, wie es ausgeht?

Nur wenn Sie die Unterrichtung ausdrücklich beantragen. Ohne dieses Verlangen erfahren Sie nichts von einer Einstellung, und die kurze Widerspruchsfrist verstreicht.

Kann ich den Antrag zurücknehmen?

Bei den meisten antragsabhängigen Delikten ja; die Rücknahme setzt in der Regel die Annahme durch den Beschuldigten voraus. Bei Sexualdelikten ist sie ausgeschlossen.

Was riskiere ich bei einer unbegründeten Anzeige?

Wer jemanden wider besseres Wissen bezichtigt, begeht selbst eine Straftat mit erheblichem Rahmen. Erfasst ist auch, wer Spuren legt oder erfindet.

Was gilt, wenn beide Seiten Anzeige erstatten?

Die eigene Anzeige sollte sich auf Belegbares beschränken und über einen Anwalt formuliert werden. Aus Ärger erstattete Gegenanzeigen erzeugen ein drittes Verfahren.

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