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Italienisches Strafverfahren

Entschädigung für ungerechtfertigte Haft

von Massimo Romano, StrafverteidigerKammer Neapel Nr. 14553 · Kassationsgerichtshof seit 20155 Min. Lesezeitaktualisiert 2026-08-07
Aktenordner in einem Gerichtsarchiv
Kurze Antwort

Wer in Italien Untersuchungshaft erlitten hat und danach freigesprochen wird oder dessen Verfahren eingestellt wird, hat nach Art. 314 der Strafprozessordnung Anspruch auf Entschädigung. Die Frist beträgt zwei Jahre ab Rechtskraft, zuständig ist das Oberlandesgericht, und der gesetzliche Höchstbetrag liegt bei 516.456,90 Euro. Der Anspruch entfällt, wenn der Betroffene die Haft durch eigenes Verhalten mitverursacht hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundlage sind die Art. 314 und 315 der Strafprozessordnung.
  • Anspruchsberechtigt ist, wer freigesprochen wird oder dessen Verfahren eingestellt wird.
  • Der Antrag ist binnen zwei Jahren ab Rechtskraft zu stellen.
  • Zuständig ist das Oberlandesgericht des Bezirks, in dem entschieden wurde.
  • Der gesetzliche Höchstbetrag beträgt 516.456,90 Euro.
  • Angerechnet werden Untersuchungshaft in der Anstalt und Hausarrest.
  • Der Anspruch entfällt bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Mitverursachung.

Wer den Anspruch hat

Zwei Gruppen. Zum einen, wer nach erlittener Haft freigesprochen wird, weil die Tat nicht begangen wurde, nicht erwiesen ist oder keine Straftat darstellt. Zum anderen, wer Haft erlitten hat, die von Anfang an oder nachträglich unrechtmäßig war — etwa weil die gesetzlichen Voraussetzungen fehlten oder Höchstfristen überschritten wurden.

Der zweite Fall wird häufig übersehen. Er setzt keinen Freispruch voraus: auch wer am Ende verurteilt wird, kann für einen Haftabschnitt entschädigt werden, der rechtswidrig war.

Die Ausnahme, die am meisten wehtut

Der Anspruch entfällt, soweit der Betroffene die Haft durch vorsätzliches oder grob fahrlässiges eigenes Verhalten verursacht oder mitverursacht hat. In der Praxis ist das der häufigste Ablehnungsgrund, und die Rechtsprechung legt ihn nicht eng aus.

Typische Konstellationen: falsche Angaben zur eigenen Person, das Verschweigen eines Umstands, der die Sache sofort geklärt hätte, das Decken eines Dritten, ein Verhalten, das den Verdacht objektiv nährte. Schweigen als solches genügt dafür nicht — es ist ein Recht — aber aktives Verhalten, das in die Irre führt, sehr wohl.

Wie der Betrag bemessen wird

Bemessung der Entschädigung
ElementWirkung
Dauer der Haft in der AnstaltGrundlage der Berechnung
Hausarrestwird angerechnet, mit geringerem Ansatz
Berufliche FolgenVerdienstausfall, Verlust der Stellung
Familiäre und gesundheitliche Folgenerhöhend
Öffentliche Berichterstattungerhöhend
Gesetzlicher Höchstbetrag516.456,90 Euro

Die Bemessung folgt keiner starren Tagespauschale, sondern einer Gesamtwürdigung. Wer über den bloßen Zeitablauf hinaus etwas erreichen will, muss die Folgen belegen: Arbeitsvertrag und dessen Beendigung, ärztliche Unterlagen, Nachweise über Auswirkungen auf die Familie.

Besonderheiten bei Auswärtigen

Zwei Punkte kommen hinzu. Erstens: die im Ausland erlittene Auslieferungs- oder Übergabehaft kann in die Berechnung einfließen, wenn sie im Zusammenhang mit demselben italienischen Verfahren stand. Die genauen Zeiträume sollten dokumentiert werden, solange sie greifbar sind.

Zweitens: die beruflichen Folgen sind bei Auswärtigen oft besonders greifbar, weil eine Abwesenheit von Wochen ein Arbeitsverhältnis beendet. Diese Belege sind im Wohnsitzstaat zu beschaffen und brauchen eine Übersetzung.

Die Frist

Zwei Jahre ab Rechtskraft. Sie ist eine Ausschlussfrist und wird nicht wiedereingesetzt. Da Verfahren mit Rechtsmitteln lange laufen und der Betroffene oft längst wieder zu Hause ist, verstreicht sie regelmäßig unbemerkt. Wer Haft erlitten hat, sollte den Zeitpunkt der Rechtskraft aktiv abfragen lassen.

Häufige Fragen

Wer hat Anspruch auf Entschädigung?

Wer nach erlittener Haft freigesprochen wird oder dessen Verfahren eingestellt wird, und außerdem, wer Haft erlitten hat, die rechtswidrig war. Der zweite Fall setzt keinen Freispruch voraus.

Wie lange habe ich Zeit?

Zwei Jahre ab Rechtskraft der Entscheidung. Es handelt sich um eine Ausschlussfrist, die nicht wiedereingesetzt wird. Der Zeitpunkt der Rechtskraft sollte aktiv abgefragt werden.

Wie hoch kann die Entschädigung sein?

Der gesetzliche Höchstbetrag liegt bei 516.456,90 Euro. Die Bemessung folgt keiner Tagespauschale, sondern einer Gesamtwürdigung von Dauer, beruflichen, familiären und gesundheitlichen Folgen.

Zählt Hausarrest mit?

Ja, er wird angerechnet, allerdings mit einem geringeren Ansatz als die Haft in der Anstalt. Beide Zeiträume sollten mit den genauen Daten belegt werden.

Wann entfällt der Anspruch?

Soweit Sie die Haft durch vorsätzliches oder grob fahrlässiges eigenes Verhalten mitverursacht haben. Schweigen genügt dafür nicht, aktives irreführendes Verhalten dagegen schon.

Zählt die Haft im Ausland mit?

Auslieferungs- oder Übergabehaft kann einfließen, wenn sie mit demselben italienischen Verfahren zusammenhing. Die Zeiträume sollten dokumentiert werden, solange die Unterlagen greifbar sind.

Welches Gericht entscheidet?

Das Oberlandesgericht des Bezirks, in dem die Entscheidung ergangen ist. Das Verfahren ist schriftlich geprägt, und die Qualität der Belege bestimmt das Ergebnis maßgeblich.

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